Neue Musik

PAUL MCCARTNEY - EGYPT STATION (Universal)

PAUL MCCARTNEY - EGYPT STATION (Universal)

Wo viel Licht ist, da ist auch Schatten. »Fuh You« heißt der Song auf Sir Pauls neuem Album, der quer schießt, weil er nichts anderes ist, als biederer Plastik-Pop. Kein Wunder, denn da hatte ja auch One-Republic-Frontmann Ryan Tedder seine Hände mit im Spiel. Ansonsten allerdings regiert auf »Egypt Station« großes musikalisches Kino! Kurzum, die erste Paul McCartney-Scheibe seit fünf Jahren zieht in Sachen Facettenreichtum und Songwriting, sowie handwerklicher Klasse locker mit »St. Pepper« gleich, wird allerdings dessen revolutionäre Wirkung nicht erreichen.

LENNY KRAVITZ - RAISE VIBRATION (BMG / ADA)

LENNY KRAVITZ - RAISE VIBRATION (BMG / ADA)

Mit diesem neuen Album kehrt Kravitz zurück zu seinen Wurzeln, denn die Parallelen - man schaue etwa nur auf die thematisch-ähnlichen Albentitel - zu »Let Love Rule« sind auch musikalisch ganz offensichtlich. Die Power ist zurück, mit der der New Yorker auf seine Gitarre drischt. Diese treibt seine Songs hier fulminant nach vorne. Bestes Beispiel: Die Eröffnungsnummer »We Can Get It All Together« und die Singleauskopplung »Low«, auf der eine der letzten Gesangseinlagen von Michael Jackson zu hören ist. Kaum ein aktuelles Album derzeit strahlt eine solche Lebensbejahung aus, wie das 11. von Lenny Kravitz.

ROD STEWART - BLOOD RED ROSES (Universal)

ROD STEWART - BLOOD RED ROSES (Universal)

Rod zeigt sich auf seinem Spätwerk nochmal als souveräner Allrounder, dessen Stimme nahezu jedes musikalische Genre veredelt, solange sie nur gut geölt ist. Wenn er im Song »Give Me Love« mehr als deutlich an seine »Do Ya Think I’m Sexy«Zeit erinnert, dann klingt das überraschend frisch, genauso wie seine Motown-Nummer »Rest Of My Life«, die Rock´n´Roller »Hole In My Heart« und »Vegas Shuffle« oder der folkige Titelsong. Natürlich fehlen weder Ballade (»Grace«), noch Crooner-Nummer (»Farewell«). Das ist definitiv gepflegte Rock-Unterhaltung!

PUBLIC IMAGE LTD. - THE PUBLIC IMAGE IS ROTTEN (SONGS FROM THE HEART) (UMV / Universal)

PUBLIC IMAGE LTD. - THE PUBLIC IMAGE IS ROTTEN (SONGS FROM THE HEART) (UMV / Universal)

Bereits mit seinen Sex Pistols machte er Musikgeschichte. Unmittelbar danach schrieb er sie mit seiner neuen Kapelle Public Image Ltd. (kurz: PIL) fort. John Lydon vollzog vor 40 Jahren seinen Abschied vom Punk hin zum Hard-, Industrial- und Art-Rock. 40 Dekaden, diese feiern PIL mit einer sehr außergewöhnlichen, sehr opulenten und mit großer Sorgfalt und Liebe zum Detail daherkommenden 6-LP-Werkschau, inklusive zwei Singles (1978-1989 u. 1998-2015), einem B-Side-, zwei 12“ Mixes & Dance Tracks- und einem unreleased Mixes and Tracks-Album, sowie einem umfangreichen und sehr grandiosen Buch, das die Geschichte dieser außergewöhnlichen Band nachvollzieht. Echte Klasse!

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MILES KANE - COUP DE GRACE (Virgin EMI / Universal)

MILES KANE - COUP DE GRACE (Virgin EMI / Universal)

„Cry On My Guitar« ist ohne Zweifel der beste Marc Bolan & T. Rex-Song, der den Seventies-Glamrockern seit „Teenage Dream“ (1974) nicht mehr gelungen war. Der ehemalige The Rascals- und aktuelle The Last Shadow Puppets-Sänger und -Gitarrist schüttelt diese Nummer mit einer Grandezza aus dem Ärmel, die fasziniert. Auf seinem dritten Soloalbum hat Kane allerdings noch weitere musikalische Pfeile im Köcher, die ihr Ziel treffen. Los legt er nämlich mit einer punkigen Nummer, die an die grandiosen The Damned erinnert, und auch schräge Indie-Rock-Klänge sind ihm gar nicht fremd. Das Ganze packt der Brite in sehr melodiöse, sich niemals anbiedernde Songs von bestechender Intensität und Rock´n´Roll-Schlagkraft.

THE MAGPIE SALUTE - HIGH WATER I (Provogue / Mascot / Rough Trade)

THE MAGPIE SALUTE - HIGH WATER I (Provogue / Mascot / Rough Trade)

Debütalbum der Ex-Black-Crowes-Mitglieder Rich Robinson, Marc Ford und Sven Piepen. Und was für eines! Hard-, Southern und Blues-Rock-Fans kommen hier voll auf ihre Kosten, denn die Band, komplettiert um Sänger John Hogg, einem Kraftprotz von Stimme, Drummer Joe Magistro und Keyboarder Matt Slocum. Grandios, wie sie im Titelsong die psychedelische Rock-Atmosphäre früher Free- und Led-Zeppelin-Tage wieder aufleben lassen. Die Faces lassen grüßen, die Stones ebenfalls, den großartigen Fricklern Grateful Dead meint man kurz danach auf der Spur zu sein, dann Blackberry Smoke in „Send Me An Omen“. Wen das als begeistertem Freund eines klassischen Hard Rock mit seinen vielen Facetten und Wurzeln kalt lässt, dem ist nicht mehr zu helfen.

THE DAMNED - EVIL SPIRITS (Spinefarm / Universal)

THE DAMNED - EVIL SPIRITS (Spinefarm / Universal)

In den 1960-er Jahren habe er damit begonnen sich Platten zu kaufen, dabei sei es um Menschenrechte gegangen, um Feminismus und um die Anti-Atom-Bewegung. Heute, so der The Damned-Bassist Captain Sensible, müsse man sich die Frage stellen, was erreicht worden ist. Nimmt man den Albumtitel »Evil Things« als Antwort, dann wenig! Die englischen Punkrocker denken aber positiv und glauben nach wie vor an die Kraft der menschlichen Solidarität und so klingen dann auch die zehn neuen Songs der Band überwiegend positiv, nach vorne blickend, bestechend optimistisch, trotz der vernehmlichen, dunklen Untertöne. Eine spannende Gratwanderung!

THE KOOKS - LET´S GO SUNSHINE (Kobalt / Rough Trade)

THE KOOKS - LET´S GO SUNSHINE (Kobalt / Rough Trade)

Das beste Album der britischen Indie-Rocker seit Jahren! Die The Kooks aus Brighton machen mit jedem der 15 neuen Songs dem Albumtitel alle Ehre und legen eine beschwingte musikalische Hymne nach der anderen hin und zwar mit einer Leichtigkeit, die beeindruckt. Dabei kreuzen sie gleich mehrere Stile, die die britische Musikszene in den zurückliegenden sieben Jahrzehnten kreiert hat: Beat, Glamrock, Disco, Indie und Punk. All das findet sich auf »Let´s Go Sunshine». Und auch ein Song für oft geschundene VfL-Fans findet sich hier: „Swing Low“ sei für die, so Sänger Luke Pritchard, deren Fußballclub immer verliert, bei The Kooks ist das Crystal Palace.

RISE AGAINST: THE GHOST NOTE SYMPHONIES VOL. 1 (Virgin / Universal)

RISE AGAINST: THE GHOST NOTE SYMPHONIES VOL. 1 (Virgin / Universal)

Die Chicago-Krawallmacher können auch anderes. Auf ihrer neuen Compilation finden sich ältere, bekannte Tracks, u.a. „House On Fire“ oder „Like The Angel“, in alternativen Versionen, akustischen, größtenteils mit Streicherarrangements, daher wohl auch der Zusatz »…SYMPHONIES«. Da, wo sonst aggressiver Alternative-Rock vorherrschte, finden sich nun behutsamere Herangehensweisen an die Songs, die live für Circle-Of-Death-Bewegungen sorgen, dennoch verliert nicht ein Song an Intensität, sondern gewinnt geradezu mehr davon. Ganz in der Tradition eines Billy Bragg oder Frank Turner.

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URIAH HEEP - LIVING THE DREAM (Frontiers / Soulfood)

URIAH HEEP - LIVING THE DREAM (Frontiers / Soulfood)

Hier gibt der Verfasser dieser Zeilen gerne zu, dass ihn sentimentale Gründe, nämlich die »Firefly«-Tour 1977 (das war das erste große Konzert, zu dem die Eltern dem damals 17-Jährigen die Erlaubnis erteilten, die Herner Stadtgrenzen alleine zu überschreiten), zu einem bedingungslosen Fan dieser Band machte. Nicht wenige halten Uriah Heep und deren späte Alben schon seit langem für ein absolut überflüssiges Relikt aus einer rockmusikalischen Steinzeit. Sei´s drum. Die übrig gebliebenen Heeps und Überlebenden mit Sänger David Byron und den Bassisten Gary Thain, John Wetton und Trevor Bolder, schert das auch nicht, sie machen immer weiter, zuletzt der Ex-Keyboarder Ken Hensley mit einem neuen Album »Rare And Timeless«, nun seine ehemalige Band mit dem neuen Werk »Living The Dream «. Das startet mit dem Opener „Grazed By Heaven“ fulminant mit heftigem Schlagzeug, pumpendem Bass, flirrenden Gitarrenriffs und schwindelerregenden Solis, sowie schweren Keyboards und bis zum letzten Track „Dreams Of Yesteryear“ ändert sich an dieser Gangart nur wenig. Nicht nur Heep-Fans, sondern auch Freunde eines klassischen, schweren Hard Rocks, sowie Verfechter eines soliden Handwerks kommen hier voll und ganz auf ihre Kosten, zumal auch das Songwriting den alten Männer noch locker von der Hand geht.

ARCTIC MONKEYS - TRANQUILITY BASE HOTEL + CASINO (Domino/Rough Trade)

ARCTIC MONKEYS - TRANQUILITY BASE HOTEL + CASINO (Domino/Rough Trade)

Nein, das ist nicht mehr die Band, die 2005 den alternativen Tanz-Kracher „I Bet You Look Good On The Dancefloor“ in die Rock-Welt hinausschickte und auch danach eher garagigen Post-Punk- und Indie-Rock fabrizierte. Das in Sheffield gegründete Quartett um den Sänger und Gitarristen Alex Turner meldet sich nun mit einem sechsten Studioalbum zurück, das sehr überrascht, weil von Garage und Rock eigentlich wenig übrig geblieben ist, was von vielen als Glück und Rettung der Band in letzter Sekunde empfunden wird. Eher ist auf »Tranquility Base Hotel + Casino« kunstvolles Musizieren, eher Kopf- als Bauchmusik angesagt. Die Gitarren müssen sich mit einer Statistenrolle anfreunden. Die Songs kommen verhalten daher, Piano-Akkorde spielen „barock-poppige“ Melodien, wie es ein Kritikerkollege trefflich formuliert. Und was soll man sagen: Das hat durchaus einen immensen Reiz! Das hakt man nicht so schnell ab als ein weiteres Album einer einstmals vielversprechenden Band. Das möchte man aber auch eher in einem intimen Ambiente live genießen und nicht bei Rock am Ring!

MADSEN: LICHTJAHRE (Arising Empire / Warner)

MADSEN: LICHTJAHRE (Arising Empire / Warner)

Als ich 2005 die Gelegenheit hatte, die damals noch völlig unbekannten Madsen-Brüder und ihre Mitmusiker-Kollegen vor der Veröffentlichung ihres selbstbetitelten Debütalbums in Berlin kennenzulernen, ahnte weder ich noch der Rest der Welt, von ihrem prominenten Fan und Fürsprecher Thees Uhlmann sicherlich einmal abgesehen, welchen Ruf sich Johannes Madsen und seine Band fortan besonders als Live-Band erspielen sollten. Lichtjahre scheint die erste Begegnung mittlerweile her, doch noch immer halten Madsen das Banner eines intelligenten und dennoch impulsiven, kraftvollen und gerne auch mal poppigen, dann allerdings auch wieder brachialen Indie-Rocks hoch, mit weiterhin cleveren Texten, in ihrer Unaufdringlichkeit und Unaufgesetztheit meilenweit von denen aller Bouranis, Bentzkos, Wiesingers und weiterer deutschsprachiger Revolverhelden entfernt. Ein Song wie „Keiner“, der dem Wunsch nach Intimität und Genuss des Moments in einer immer öffentlicheren Welt in schlauen Worten und treffenden Versen auch auf musikalisch beeindruckende Weise Ausdruck verleiht, sei hier exemplarisch genannt. Wer den klasse Auftritt von Madsen in diesem Frühjahr in einem ihrer „Lieblingsclubs“, so die Band, der Bochumer Zeche verpasst hat, der muss sich bis zum zweiten Teil der Clubtour im Oktober gedulden, um Versäumtes nachzuholen.

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KIM WILDE - HERE COME THE ALIENS (Wildeflower/earMusic/Edel)<br/>KYLIE MINOGUE - GOLDEN (BMG)<br/>LISA STANSFIELD - DEEPER (BMG)

KIM WILDE - HERE COME THE ALIENS (Wildeflower/earMusic/Edel) | KYLIE MINOGUE - GOLDEN (BMG) | LISA STANSFIELD - DEEPER (BMG)

Drei erfolgreiche Damen der glitzernden 80-er Jahre mischen auch aktuell die Popszene mit ihren jeweiligen, neuen Alben und absolut frischen Songs auf. Vor ihrem Bochum-Besuch im Oktober (08.10.2018, Zeche) haut die Britin Kim Wilde mit Bruder Ricky, Schwester Roxanne und Nichte Scarlett 12 neue Stücke raus, getreu dem Motto und Albumsong: „Pop Don´t Stop“. Die Australierin Kylie Minogue hat ihr neues Album in Nashville eingespielt und, beinahe klar, es gibt ein bisschen Country zu hören, eingestreut in die typischen Kylie-Disco-Pop-Nummer, die aber nach wie vor ungemein gut in Ohren und Beine übergeht. Die Dritte im Bunde kommt wieder aus England. Lisa Stansfield hat die beste, weil voluminöseste Stimme der drei Damen hier und die kommt in den neuen, wie immer souligen, sogar funkigen bis break-beatigen Songs sehr gut zum Tragen.

ELTON JOHN: REIMAGENING THE SONGS OF ELTON JOHN & BERNIE TAUPIN - REVAMP RESTORATION (beide: Universal)

ELTON JOHN: REIMAGENING THE SONGS OF ELTON JOHN & BERNIE TAUPIN - REVAMP RESTORATION (beide: Universal)

Zwei Song-Zusammenstellungen, die das musikalische Werk von Elton John und seinem Textschreiber Bernie Tauben würdigen. Anlass ist sicherlich der Abschied des begnadeten Songschreibers aus dem englischen Watford von der Bühne. »Revamp« vereint neue Interpretationen von unvermeidlichen Kollegen wie Ed Sheeran, Miley Cyrus, Lady Gaga oder Sam Smith, der leider den wunderbaren Song „Daniel« erwartungsgemäß verheult..., aber auch solche von den Queens Of The Stone Age („Goodbye Yellow Brick Road“) und Florence + The Machine („Tiny Dancer“), die tatsächlich der Vorlage neue Facetten abgewinnen. Recht klischeefreie Country-Adaptionen erwarten den geneigten Hörer auf »Restoration«. Willie Nelson, Rosanne Cash, Dolly Parton, Chris Stapleton und andere namhafte Genre-Kollegen/innen kleiden Klassiker wie den „Rocket Man“ oder die „Honky Cat“ in neue musikalische Gewänder, die ebenso wie die  »REVAMP«-Songs zeigen, dass das Oeuvre der beiden Hitlieferanten einfach unverwüstlich ist.

FRANK TURNER - BE MORE KIND (Universal)

FRANK TURNER - BE MORE KIND (Universal)

Musikalisch durchaus facettenreicher, in den wütenden Momenten aber immer noch im urwüchsigen Punkrock verwurzelt, präsentiert sich der britische Singer/Songwriter auf seinem neuen Album, das nur wenige Monate nach der Compilation »Songbook« erscheint. Richtig sauer hört man ihn in dem Song
„1933“, das sich entschieden und empört der völlig abwegigen Legende entgegen stellt, die rechte Bewegung in den USA sei Punk. Ein typischer Turner, wütend und engagiert in der politischen Sache! „Make America Great Again“ schlägt da in eine ähnliche Kerbe mit ziemlich heftigen Gitarren-Riffs. „Little Changes“, ein weiterer Song, deutet die Veränderungen an. Frank Turner ist groovender geworden, der Sound satter, mehr Produktion statt eher spartanisch, wie früher. Gut tut ihm das und dem Album insgesamt auch.

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BLACK REBEL MOTORCYCLE CLUB | WRONG CREATURES (Abstract Dragon / [PIAS] / Cooperative)

BLACK REBEL MOTORCYCLE CLUB | WRONG CREATURES (Abstract Dragon / [PIAS] / Cooperative)

Ziemlich heftige - aber mittlerweile zum Glück behobene - gesundheitliche Probleme von Schlagzeugerin Leah Shapiro sowie Symptome von körperlichen wie psychischen Belastungen bei den beiden anderen Bandmitgliedern Peter Hayes und Robert Levon Bean hatten zuletzt dazu geführt, dass die kalifornischen Alternative-Rocker BRMC eine Schaffenspause einlegen mussten. Umso größer die Freude nun, da es ein neues Album des US-Trios zu genießen gibt, das so voller Kraft und Vitalität daher kommt, wie es manch einer von den Dreien nicht mehr zu hoffen gewagt hat. Nick-Cave- und Arcade-Fire-Produzent Nick Launay hat den sehr alternativen Sound der Band aus Americana-Folk, Blues, Psychedelic-Rock und Punk - zwischen The Stooges, The Doors, The Jesus & Mary Chain und The Bad Seeds - zu einem sehr stimmungsvollen, enorm intensiven und faszinierenden Ganzen zusammen geführt - im Grundton sehr melancholisch und düster, aber mit einer spürbar lebensbejahenden Kraft!

BLACKBERRY SMOKE - FIND A LIGHT (Earache /ADA Warner)

BLACKBERRY SMOKE - FIND A LIGHT (Earache /ADA Warner)

Immer größere Aufmerksamkeit genießen die Southern-Rocker aus Georgia mittlerweile auch zwischen Flensburg und dem Bodensee, was nur natürlich ist, denn von Album zu Album - das letzte war das grandiose Werk »Like An Arrow« - entwickelt die Band um Sänger und Gitarrist Charlie Starr ihren Sound konsequent und intelligent weiter, der schon längst nicht mehr nur auf die Genre-Eckpunkte Allman Brothers und Lynyrd Skynyrd begrenzt ist. Auf »Find A Light« gehen dem Quintett nun weitere musikalische Lichter auf: Klar ist der Southern Rock die Basis, aber mehr und mehr deutlich hinzu kommen Einflüsse aus dem Blues, dem Folk, aus Country und und Americana, Soul und Gospel. Das alles verschmelzen Blackberry Smoke auf ihrem neuen, 6. Studioalbum in jedem einzelnen Song - wohlgemerkt! - zu einem mittlerweile ureigenen Sound. Und wenn die Georgianer weiterhin so emsig musizieren - ein Album pro Jahr, wie in den guten, alten Zeiten! - , dürfen wir uns bereits im nächsten Jahr auf ein weiteres Album-Highlight von Blackberry Smoke freuen!

FRANZ FERDINAND - ALWAYS ASCENDING (Domino / Good To Go)

FRANZ FERDINAND - ALWAYS ASCENDING (Domino / Good To Go)

Gleich zwei neue Männer, Gitarrist Dino Bardot und Keyboarder Julian Corrie, ersetzen den ausgestiegenen Tastenmann Nick McCarthy und bringen spürbar frischen Wind in den Sound der Schotten. Weiterhin angeführt vom charismatischen Frontmann Alex Kapranos spielen Franz Ferdinand auf »Always Ascending« sowohl experimentierfreudiger als zuvor und gleichzeitig entspannter auf. Von durchgehend federnden Bass- und Drum-Grooves getragen, spannt sich ein musikalischer Bogen von krautigem Rock (Can, Czukay & Jah Wobble, Eno) über Glam-Pop (Roxy Music, Bowie, Sparks) bis hin zu Indie-Brit-Rock-Klängen (eher Blur als Oasis, Pulp, Bloc Party, Maximo Park, Editors, Interpol) und die melancholische Düsternis eines Nick Cave - man lausche etwa der Gänsehaut hervorrufenden Nummer „The Academy Award“. Teils sind die Stücke opulent und überbordend in Szene gesetzt, mit schwelgerischen Melodien und ausufernden Harmonien, aber dennoch durchweg mit Ecken und Kanten versehen, die alle 10 Tracks des Albums zu einem außerordentlich spannenden Hörvergnügen machen, zu denen man gerne und gut aber auch die Extremitäten in rhythmische Bewegungen versetzen darf.

MANIC STREET PREACHERS - RESISTANCE IS FUTILE (Sony Music)

MANIC STREET PREACHERS - RESISTANCE IS FUTILE (Sony Music)

Dass Widerstand tatsächlich zwecklos ist, wie es der Albumtitel behauptet, das glauben die Manic Street Preachers aus Wales wohl selber nicht. Immer wieder macht die Band nämlich durch politische Texte auf sich aufmerksam, weniger als zuvor allerdings auf diesem, lange erwarteten, neuen Album. Musikalisch schlägt das Trio hier zunächst einmal eine Brücke zwischen den rockigen Klängen von »Generation Terrorists« und dem opulent orchestrierten, sehr melodischen Sounds von »Everything Must Go«. Das funktioniert prächtig, weil die drei Herren außerordentliche Kreativköpfe und versierte Songschreiber sind. Die Kunst als Fluchtort, eine mehr und mehr sich in Verwirrungen verstrickende Realität, Erinnerung und Verlust, das sind die Themen, um die die Songs inhaltlich kreisen, also keine oberflächlichen Dinge werden angerissen, sondern wieder gibt es ein tiefgründiges Nachdenken, im Großen und Kleinen. Sehr schade, dass die Band hierzulande nur eine kleine, aber treue Fangemeinde hinter sich hat, was aber kein Schicksal ist, in das sich eine noch ignorante Mehrheit fügen sollte.

SIMPLE MINDS - WALK BETWEEN WORLDS (BMG)

SIMPLE MINDS - WALK BETWEEN WORLDS (BMG)

Der legendären Glasgower Konzerthalle Barrowlands haben schon Kolleg/innen vor den Simple Minds ihre Referenz erwiesen. Amy MacDonald etwa, oder Big Country. Nun tun ihnen das Jim Kerr und seine Kollegen auf ihrem neuen Werk »Walk Between Worlds« mit der enorm stimmungsvollen Nummer „Barrowland Star“ gleich und ihnen gelingt damit einer der besten Songs ihres mittlerweile 17. Studioalbums. Dessen Sound hat sich übrigens aus der vorangegangenen akustischen Phase der Band ergeben, die Anlass gab zu mehr Experimentierfreudigkeit. Insofern darf sich der Hörer nun auf ein sehr facettenreiches Stück 80-ies Rock freuen, mit kraftvollen Songs ebenso wie eher atmosphärischen, beinahe für die Leinwand geeigneten Stücken.

BARRY WHITE - THE COMPLETE 20TH CENTURY SINGLES (1973-1979) (Mercury / Universal)

BARRY WHITE - THE COMPLETE 20TH CENTURY SINGLES (1973-1979) (Mercury / Universal)

Die olle Schmusebacke ist selbst posthum noch die Messlatte für alle Musikanten des Soul, die es ihm in diesem Genre gleichtun wollen. Und was für einer Mammutaufgabe sich die Nachfolger stellen müssen, machen die drei Scheiben in dieser kleinen CD-Box klar und deutlich. A- und B-Seiten sind hier versammelt, eingespielt noch ohne viel elektronischen Schnickschnack und ohne Grooves und Beats aus dem Rechner. Man lausche etwas mit Hingabe mal nicht Barrys samtener Stimme, sondern dem genialen, trockenen Schlagzeug, das jeden White-Klassiker - und ganz viele, von „You´reThe First, The Last, My Everything“ über „It´s Exstasy When You Lay Down Next To Me“ bis „Let The Music Play“, sind hier in der Kiste - mit mehr Druck und Wucht vorantreibt, selbst die edelste Liebesschnulze, als es die modernste Technik je hinkriegen wird.

ROBERT PLANT & THE SENSATIONAL SPACE SHIFTERS - LIVE AT DAVID LYNCH´S FESTIVAL OF DISRUPTION (Eagle Vision / Universal)

ROBERT PLANT & THE SENSATIONAL SPACE SHIFTERS - LIVE AT DAVID LYNCH´S FESTIVAL OF DISRUPTION (Eagle Vision / Universal)

Jeder Plant-Fan wartet natürlich auch immer darauf, ob sich die Stimme des Rock auch mal wieder an Led-Zeppelin-Klassikern versucht. Macht er, wenngleich auch auf seine ganz eigene Art und Weise, nämlich indem er sie in ein neues, musikalisches Gewand kleidet. Das besteht dann weniger aus hard-Rock-Klängen als aus einer Mixtur von Rock, Blues, Folk und Ethno-Klängen, was aber die Altvorderen auch nicht weiter verblüfft, denn bereits die Zeppeline experimentierten mit diesen Klängen. Plant live ist auch in der Gegenwart noch ein prickelndes Erlebnis. Als Gast auf Lynchs esoterischem Festival, dessen Hintergründe in den Bonus-Features dieser 77-minütigen DVD näher erläutert werden, ist der Mann sehr gut aufgehoben und es wird einmal mehr schnell klar, warum sich kaum jemand dem Charisma dieses Sängers entziehen kann, selbst wenn Plant sichtbar in die Jahre gekommen ist. Mögen ihm davon noch sehr, sehr viele beschieden sein!

Neue Musik

MAGNUM | LOST ON THE ROAD TO ETERNITY (SPV)

MAGNUM | LOST ON THE ROAD TO ETERNITY (SPV)

Seit über 40 Jahren ist die britische Rockband Magnum eine feste Konstante im sich immer schneller drehenden Musikgeschäft. In den 80er Jahren vor allem in ihrer Heimat mit etlichen Radio-Hits überaus erfolgreich, haben die Mannen um Sänger Bob Catley auch in Deutschland seit Jahrzehnten ein treues und folgsames Publikum. Den eingängigen Melodien und den packenden Riffs kann man sich überhaupt nicht entziehen, dazu kommt die fesselnde und schon fast magische Stimme Bob Catleys, der seine Zuhörer dank erstklassiger Fantasy-Texte auf eine spektakuläre Reise in ein magisches Wunderland entführt. Das brillante Cover-Artwork der Legende Rodney Matthews tut ihr übriges und wie man über einen solchen Zeitraum so erfolgreich und kreativ sein kann ist mir fast ein Rätsel. Ein Ohrwurm jagt den nächsten und hier kann man einfach nicht schreiben „das Beste Album seit“, denn diese Band hat seit 30 Jahren kein schwaches Album mehr abgeliefert...oder hat sie überhaupt jemals ein schwaches Album abgeliefert? Ganz großer Melodic-Rock wie er packender nicht sein könnte. Kaufempfehlung auch als Doppel-Vinyl!

ANVIL | POUNDING THE PAVEMENT (SPV)

ANVIL | POUNDING THE PAVEMENT (SPV)

Metallica, Motörhead und viele andere Stars bewundern diese Band. Seit 1978 sind Anvil der Inbegriff für leidenschaftlichen Heavy Metal. Trotz widriger Nackenschläge haben die Kanadier sich immer wieder aufgerafft und ein Album nach dem anderen für ihre Fans abgeliefert. Als 2008 der Film „Anvil! Die
Geschichte einer Freundschaft“ weltweit in den Kinos Besucherrekorde brach und auch auf DVD und Blu-ray zum Renner wurde, waren Anvil von jetzt auf gleich Superstars für jede Hobby-Band und jeden Metal-Fan. Seit dem sind die Clubs in der Größenordnung unserer Zeche wieder gut gefüllt, Anvil sind wieder schwer angesagt. Auf „Pounding The Pavement“ bieten Anvil Dampfhammer-Hits wie „Smash Your Face“ und dynamische Rocker wie „Rock That Shit“. Der Name ist sozusagen Programm! Vielleicht ist dieses Album nicht der ganz große Wurf, es reicht aber allemal um Rockfans glücklich zu machen.

BJÖRK | UTOPIA (One Little Indian / Embassy Of Music)

BJÖRK | UTOPIA (One Little Indian / Embassy Of Music)

Auch wenn sich die isländische Sirene auf ihrem neuen Album genauso wenig in eine musikalische Schublade einsortieren lässt wie auf ihren vielen vorangegangenen Alben, die auch für viele Ohren eher sperrig oder gar kitsch-beladen daher kamen, man kann und darf durchaus in Verzückung geraten
angesichts der bunten, besser: bizarren Klang - und Melodienvielfalt, die einem auf UTOPIA entgegen schallt. Nicht nur werden einem die Flötentöne beigebracht, sondern auch Harfen erklingen, dazwischen Naturgeräusche, und elektronische Soundschnipsel gesellen sich ebenfalls hinzu. Über allem:
Björks… Stimme, immer am Rande des Kakophonischen. Das ist ebenso schräg wie faszinierend.

LIAM GALLAGHER | AS YOU WERE (Warner) NOEL GALLAGHER´S HIGH FLYING BORDS | WHO BUILT THE MOON (Sour Mash / Indigo)

LIAM GALLAGHER | AS YOU WERE (Warner) NOEL GALLAGHER´S HIGH FLYING BORDS | WHO BUILT THE MOON (Sour Mash / Indigo)

Was für ein Glück, dass die beiden Gallagher-Brüder und Intimfeinde Liam und Noel diese Doppelbesprechung wohl nicht zu Gesicht bekommen und auch nicht die Erkenntnis des Verfassers, dass beide Scheiben zusammen ein außerordentlich feines, neues Oasis-Album ergeben hätten. Liams erster Solo-Streich ohne Beady Bell strotzt vor herrlich-fulminanten Beat-Melodien und grandiosen Beat-Songs. Da hat der Sänger und Songschreiber nichts, aber auch gar nichts verlernt. Johnny Marr und Seine-Mod-Hoheit Paul Weller sind illustre Gäste auf Noels Gallaghers dritter Scheibe mit Band; besonders aber ist es der irische DJ und Producer David Holmes, der hier die entscheidenden Akzente setzt. Die geraten erstaunlich experimentell, mit psychedelischen, beinahe krautigen Klängen ebenso wie mit Electro, Disco, Soul und natürlich Rock! Ein Gallagher-Doppelpack, der rundum begeistert!

DEEP PURPLE | THE INFINTE LIVE RECORDINGS VOL. 1 (earMusic / Edel) DEEP PURPLE | A FIRE IN THE SKY | A CAREER-SPANNING COLLECTION WHITESNAKE | THE PURPLE TOUR (beide: Warner)

DEEP PURPLE | THE INFINTE LIVE RECORDINGS VOL. 1 (earMusic / Edel) DEEP PURPLE | A FIRE IN THE SKY - A CAREER-SPANNING COLLECTION WHITESNAKE - THE PURPLE TOUR (beide: Warner)

Das volle Deep-Purple-Brett, bevor die Band sich nach der nächsten Tour in den Ruhestand verabschiedet. Und dazu noch in herzerfrischenden Vinyl-Editionen in allerbester Klangqualität. Beim Hellfest 2017 sind die drei Scheiben von »The Infinite Live Recordings« mitgeschnitten und die alten Recken rocken Altes und Neues in bester Spiellaune. Und dann ist da noch die grandiose Purple-Werkschau, benannt nach einer Songzeile aus… Bitte gerne mal raten! Auf drei Vinyls gibt´s nur die Gassenhauer von Gillan, Glover, Paice & Co, aber rückwärts, von „Hell to Pay“ bis “Hush“! Was für eine Kapelle geht uns da verloren, aber die Songs bleiben ja! Und Herr Coverdale mit seiner Truppe, die aktuell auf zwei Vinyls besonders die »Burn«-, »Stormbringer«- und »Come Taste The Band«-Episode von Purple live abfeiern, aber auch eigenes Material zum Besten geben.

THE ROLLING STONES | ON AIR (ABKCO / Universal)

THE ROLLING STONES | ON AIR (ABKCO / Universal)

Was für ein herrliches Doppel-Vinyl, das sich da auf dem Plattenteller dreht, und was für herrliche Songs aus - auf den ersten Blick - den so guten, alten Zeiten - zwischen 1965 und 1967 - schallen einem da entgegen. Die noch blutjungen Stones spielten damals so manche Show für BBC-Sendungen (u.a. Saturday
Club, Yeah Yeah und Top Gear) und auch Tracks, die später nie auf Alben veröffentlicht wurden. 32 frühe Jagger/Richards-Komposition und Chuck-Berry-, Bobby-Womack- u.a. Coverversionen, allesamt mit größtmöglicher Leidenschaft vorgetragen, machen »On Air« zu einem einmaligen und 180 Gramm
schweren Vinyl-Hörerlebnis, Download-Code inklusive.

SPARKS | KIMONO MY HOUSE PROPAGANDA INDISCREET BIG BEAT (alle: Island / Universal)

SPARKS | KIMONO MY HOUSE PROPAGANDA INDISCREET BIG BEAT (alle: Island / Universal

Wenn es in den 1970-er bis in die 1980-er Jahren tatsächlich eine auch musikalisch schillernde Band gab, dann waren das die Mael-Brüder, die sich treffen Sparks nennen. Erst zwischen Rock und Kitsch und dann zwischen Pop und Kitsch hin und her pendelnd, mit ebenso schrägen wie ergreifenden Melodien
hantierend, veröffentlichten die Sparks ein klasse Album nach dem anderen, die nun endlich wieder 180 Gramm schwer auf Vinyl (inkl. Download-Code) aufliegen und heute genauso begeistern wie am ersten Tage! Was die Jungs heute noch Grandioses können, zeigt übrigens das aktuelle Studioalbum
»Hippopotamus«..

Neue Musik

Beck | Colors (Capitol / Universal)

Beck | Colors (Capitol / Universal)

Wer den Jungs Altersschwäche vorausgesagt hat, sieht sich getäuscht. Die deutsche Heavy-Meta-Institution ist auch ohne Ex-Sänger Udo Dirkschneider extrem stark. Das neue Material hat eine ungeheure Wucht und ist unglaublich eingängig. Da die Scorpions mittlerweile in Langeweile vergehen, sind Accept eine richtig alte, wieder aufblühende Blume, die ihr Pulver anscheinend noch nicht verschossen hat. Wer Songs wie „Die by the sword“ oder „The Rise Of Chaos“ beim Autofahren hört, wird das Gaspedal schneller finden als ihm lieb ist, daher also besser nicht während der Fahrzeugführung hören!

Foo Fighters | Concrete And Gold (RCA / Sony)

Foo Fighters | Concrete And Gold (RCA / Sony)

Elf neue Tracks der US-Stadion-Rocker um den Ex-Nirvana-Trommler Dave Grohl, der mit seinen vier anderen Foo Fightern aber längst, und eigentlich von Beginn an, zu einer Einheit verschmolzen ist. Das hat sich die Jahre über ausgezahlt!
Die Songs sind nach wie vor Teamarbeit, sämtliche weiteren Entscheidungen ebenfalls. Alles aus einem Guss also. So gelingt dann auch die neue Scheibe „Concrete And Gold“, auch, wenn Songs wie „Dirty Water“ oder die Titelnummer anzeigen, dass die Band auch etwas schrägen Pop oder auf Them-Crooked-Vultures-Pfaden wandeln kann. Songs wie „Run“ oder „The Line“ sind dann wieder auf Foo-Fighters-Line, ehe „Sunday Rain“ wieder etwas in Richtung Stoner Rock ausschert. Das macht „Concrete And Gold“ insgesamt zu einem eher etwas sperrigen, aber mit Sicherheit sehr guten Album der Foo Fighters.

Yusuf / Cat Stevens | The Laughing Apple (Cat-O-Log Records / Decca / Universal)

Yusuf / Cat Stevens | The Laughing Apple (Cat-O-Log Records / Decca / Universal)

Wenn man einmal von all seinen schrecklichen Äußerungen über Salman Rushdie (Unterstützung des Mordaufrufs), Blasphemie (sollte bestraft werden) oder Homosexualität (ist Sünde) hinweg und sie als Artikulation eines kranken Verstandes sieht, dann findet man am neuen Album des Künstlers und Musikers Cat Stevens oder Yusuf Islam, wie er ja auch heißt, tatsächlich Gefallen. Seine nun mit leichtem orientalischen Einschlag daher kommenden neuen Songs (stimmt nicht so ganz, denn viele sind bereits in den frühen Jahren entstanden), also neu ist hier im Sinne von noch nicht veröffentlicht oder neu aufgenommen zu verstehen, atmen so intensiv die so immens eindringliche und folkige Stimmung solcher Klasse-Alben wie „Tea For The Tillerman“, dessen Vorgeschichte hier erzählt wird oder „Teaser And The Firecat“, sodass man schon sehr erstaunt darüber sein darf, wie dieser Mann sein so beeindruckend stimmungsvolles Songwriting über die vielen Jahre hinweg zu konservieren vermochte. Ein Track wie „Mighty Peace“ klingt in Wort und Ton ja auch immerhin so, als sei der Verstand des Cat Stevens wieder bei Sinnen!

Vangelis | Delectus The Polydor & Vertigo Recordings 1973-1985 (Polydor)

Vangelis | Delectus The Polydor & Vertigo Recordings 1973-1985 (Polydor)

Woow! Soundtüftler und Keyboard-Spezialist Vangelis hat uns nicht nur das weltbekannte „Chariots of fire“ und den Soundtrack zu „Blade Runner“ bescherrt,
er war auch sonst in vielerlei Hinsicht musikalisch wegweisend. Nun gibt es eine fast zwei Kilo schwere Box in LP Größe mit 13 CDs und einem wunderbaren, großformatigen Buch mit sehenswerten Fotos und allen LP-Covern, der in der Box enthaltenen Alben. Hier wurde Musikgeschichte geschrieben. Schön, dass wir dies Alles zusammengefasst noch einmal genießen und erleben dürfen! Ein großer Dank an den mittlerweile ins Alter gekommenen Griechen für diese besonderen, musikalischen Momente! Eine Deutschland-Tour wäre zum Ende seiner Karriere eine wirklich schöne Sache! Drücken wir die Daumen! Vangelis – Delectus The Polydor & Vertigo Recordings 1973-1985 (Polydor)

Neue Musik

Accept | The Rise Of Chaos (Nuclear Blast)

Accept | The Rise Of Chaos (Nuclear Blast)

Wer den Jungs Altersschwäche vorausgesagt hat, sieht sich getäuscht. Die deutsche Heavy-Meta-Institution ist auch ohne Ex-Sänger Udo Dirkschneider extrem stark. Das neue Material hat eine ungeheure Wucht und ist unglaublich eingängig. Da die Scorpions mittlerweile in Langeweile vergehen, sind Accept eine richtig alte, wieder aufblühende Blume, die ihr Pulver anscheinend noch nicht verschossen hat. Wer Songs wie „Die by the sword“ oder „The Rise Of Chaos“ beim Autofahren hört, wird das Gaspedal schneller finden als ihm lieb ist, daher also besser nicht während der Fahrzeugführung hören!

Bröselmaschine – Indian Camel (MIG)

Bröselmaschine – Indian Camel (MIG)

Sie sind eine DER Krautrock-Legenden der 70er Jahre und nach über 30 Jahren hauen sie wie aus dem Nichts ein Neues Album heraus. Cheffe Peter Bursch, millionen Kinder und Erwachsene haben nach seinen Lehrbüchern das Gitarrespielen erlernt und man nennt ihn nicht umsonst „Gitarrenlehrer der Nation“, hat mit fast originaler Besetzung ein wunderbares Album geschrieben, das einen sogar  in die Faszination der musikalischen Klänge von
1000 und einer Nacht entführt. Mit dabei als Gäste sind Helge Schneider, Gitarren-Legende Lulo Reinhardt und Percussion-Wunder Nippy Noya (u.a. Chaka Khan). Highlight ist das über zwölfminütige „Indian Camel“, bei welchem die Band im Studio stark improvisiert hat. Ein tolles Album für einen entspannten
Abend.

Golden Earring | The Complete Studio Recordings

Golden Earring – The Complete Studio Recordings

Was flatterte uns denn da ins Haus? Eine 29 CDs starke Superbox der niederländischen Rock-Legende Golden Earring, die bei uns spätestens seit Ilja Richter`s disco und ihrem großen Welthit „Radar Love“ aus 1973 nicht mehr wegzudenken sind. Natürlich folgten im Laufe der Jahre weitere Hits und die Band ist bis heute extrem erfolgreich und weiterhin auch auf den Bühnen dieser Welt aktiv. Die Box enthält alle 29 Studioalben, leider nicht das geniale Live-Album aus den 70ern, das sicherlich zum Besten seiner Art gehört. Dafür gibt es aber massig Unveröffentlichtes und das macht auch Spaß. Für knapp 110 Euro im Handel erhältlich und jeden Cent wert bei einem Durschnittspreis von knapp 3,80 Euro pro Silberling!

Vangelis | Delectus The Polydor & Vertigo Recordings 1973-1985 (Polydor)

Vangelis | Delectus The Polydor & Vertigo Recordings 1973-1985 (Polydor)

Woow! Soundtüftler und Keyboard-Spezialist Vangelis hat uns nicht nur das weltbekannte „Chariots of fire“ und den Soundtrack zu „Blade Runner“ bescherrt,
er war auch sonst in vielerlei Hinsicht musikalisch wegweisend. Nun gibt es eine fast zwei Kilo schwere Box in LP Größe mit 13 CDs und einem wunderbaren, großformatigen Buch mit sehenswerten Fotos und allen LP-Covern, der in der Box enthaltenen Alben. Hier wurde Musikgeschichte geschrieben. Schön, dass wir dies Alles zusammengefasst noch einmal genießen und erleben dürfen! Ein großer Dank an den mittlerweile ins Alter gekommenen Griechen für diese besonderen, musikalischen Momente! Eine Deutschland-Tour wäre zum Ende seiner Karriere eine wirklich schöne Sache! Drücken wir die Daumen! Vangelis – Delectus The Polydor & Vertigo Recordings 1973-1985 (Polydor)

Roger Waters | Is this life we really want? (Sony Music)

Roger Waters | Is this life we really want?

Der Mann war neben David Gilmour der Kopf bei Pink Floyd, doch bereits während „The Wall“ krachte es gewaltig und nach „The Final Cut“ gab es die unvermeidliche Trennung. Waters machte solo weiter und das zum Teil recht erfolgreich. „The Wall“ machte ihn dann vor ein paar Jahren erneut groß. Nun
kommt nach 25 Jahren ein neues Rockalbum und der alte Mann der Rockmusik hat endlich wieder etwas zu sagen, womit nicht wirklich jeder gerechnet hatte. Er singt über die unsichere Welt und moderne Zeiten und tatsächlich darf man es irgendwo zwischen „Animal“ und „The Wall“ einordnen. Wer hätte das gedacht? Auch als Vinyl erhältlich!

The Beatles | Sgt. Peppers Lonely Heart Club Band (Apple)

The Beatles | Sgt. Peppers Lonely Heart Club Band (Apple)

Im vergangenen Jahr feierte „Revolver“ sein 50-jähriges Jubiläum, nun ist es „Sgt. Pepper`s“. Ob es tatsächlich das wichtigste Album der modernen  Rockmusik ist? Keine Ahnung, aber auf jeden Fall gehört es zu den besten Alben aller Zeiten und das neue Master klingt einfach fantastisch. Auf der Bonus-
CD gibt es alternative Versionen, sowie rare und nie veröffentlichte Outtakes, die maximal als Bootleg rotierten. Der Titelsong selbst „Lucy in the sky with Diamonds“ und alle anderen Nummern sind der perfekte Soundtrack für den Sommer. Absolut unverzichtbar!

Helene Fischer – Helene Fischer (Polydor)

Helene Fischer – Helene Fischer (Polydor)

Tja, da streiten sich einmal mehr die Geister, die einen hassen sie, die anderen verehren sie abgöttisch, aber wenn man sich die restlos ausverkauften Stadien
anschaut, dann scheint Deutschland sie einfach nur zu lieben. Schlager muss man nicht mögen, aber wenn er schon läuft, dann bitte von Helene. Da kann
selbst Andrea Berg nicht mithalten und erfolgreich ist diese Dame ja auch. Das neue Album setzt auf einen modernen Sound, nicht zu kitschige Texte und
eine fette Produktion, die keine Fragen offen lässt. Sogar leichter Country, Chanson und sogar Latino ist zu hören. Das hat Frau Fischer, ähem, ihr  antastisches Produktionsteam, hervorragend umgesetzt. Die Frau hat Format, keine Frage!

Kraftklub – Keine Macht für Niemand (Vertigo)

Kraftklub – Keine Macht für Niemand (Vertigo)

Egal ob Bendzko, Tawil und wie sie alle heißen, das Rumgeschnulze geht einem manchmal aufs Rädle. Erfrischend, wenn dann eine Kapelle wie Kraftklub
auftritt und zeigt, dass es auch ganz anders mit deutschen Texten geht. Nach ihrem erfolgreichen Debüt präsentiert sich die Band auf ihrem dritten Album
absolut vielseitig. Die Chemnitzer treffen den Nerv der Zeit und treten, wie man so schön sagt, kräftig Ärsche. Das ist richtig guter deutscher Rock-Pop mit eingängigen Harmonien und langweilig wird es eigentlich nie. Weiter so Jungs!

Neue Musik

Oscar Peterson | Walking the line (MPS)

Oscar Peterson – Walking the Line

Dass der Jazz mittlerweile leider nur noch ein Schattendasein führt, ist allgemein bekannt, doch zwischendurch werden auch große Klassiker neu erausgebracht,
die es durchaus wert sind, neu entdeckt zu werden. Dazu gehört auch Walking the line des großartigen US-Pianisten Oscar Peterson, welcher Anfang der 70-er Jahre mit diesem Album für Furore sorgte.
Die Remaster-Meister Christoph Stickel und Dirk Sommer haben hier in punkto Sound ganze Arbeit geleistet. Dieses Album ist so etwas von erfrischend und
kurzweilig, dass man nicht genug davon bekommen kann. Die richtige Platte für den kommenden Sommer und vor allem auch für NICHT-Jazzer durchaus interessant.
Erhältlich als CD und Vinyl!

Rolling Stones | Blue & Lonesome (Polydor)

Da sind die alten Herren wieder! Nach über 10 Jahren veröffentlichen die Rock-Opis tatsächlich noch einmal ein Album und was ist das...es klingt entgegen
die Ewartungen richtig frisch und locker. Mittlerweile haben die Stones eine mächtige Blues-Seite, diese ist auf „Blue & Lonesome“ noch ausgeprägter
als auf den Vorgängern, denn die Stones erweisen ihren großen Blues-Helden die Ehre. Legenden des Chicago-Blues wie Howlin’ Wolf, Otis Rush, Willie
Dixon und Jimmy Reed wird der Hof gemacht und bei zwei Stücken gesellt sich sogar Eric Clapton dazu. Die Scheibe ist kurzweilig, unterhaltsam
und wurde in Mark Knopflers (Dire Straits) Studio auf höchstem Level produziert. Erhältlich auch als Vinyl.

Randy Newmann | The Randy Newman Songbook (Nonesuch)

Der Mann ist einer der einflussreichsten amerikanischen Songwriter aller Zeiten. Nach Teil 1 und Teil 2 aus den Jahren 2003 und 2011 folgt nun Teil 3 seiner großen Retrospektive. Dabei ist Retrospektive hier als ein persönlicher Akt des Künstlers zu verstehen, denn Randy Newman kehrt mit aktueller Perspektive zu seinen Klassikern zurück, die er in neuen und auf das Piano konzentrierten Versionen vorlegt. Essentiell und ganz große Songwriter-Kunst auf 3 CDs!

Schiler | Zeitreise (Island)


Nach dem Schiller 2016 sein neues Album „Future“ vorstellte, das bis auf Platz Eins der deutschen Charts kletterte, ging es für den Elektro- und  Ambientkünstler im September und Oktober auf große Hallentournee. Mit „Zeitreise – Live“ gibt es jetzt das Livealbum, sowie den filmischen Mitschnitt
seiner Konzertreise quer durch Deutschland, eine Sammlung seiner größten Hits und Klassiker, live performt und begleitet von eindrucksvollen Visuals.
Hierbei sticht vor allem die limitierte, in farbigem Vinyl erhältliche Variante heraus, welche mit einem warmen und voluminösen Klang überzeugt. Schiller und
Schallplatten-Fans sollten zugreifen!