BOCHUM MACHT SPASS
Foto: Alexander Scheer

ALEXANDER SCHEER BRINGT DAVID BOWIE ZURÜCK NACH BOCHUM | „SO SCHÖN WIE IN BOCHUM WAR’S NIE WIEDER!“

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Interview: David Wienand

Fotos: Alexander Scheer

Gleich zweimal in diesem Jahr kehrt – nach seinem legendären Ruhrstadion-Konzert von 1983 – der „Ziggy Stardust“, „Aladdin Sane“ und „Thin White Duke“ der Rockmusik, David Bowie, mit seinen nach wie vor mitreißenden Songs zurück nach Bochum. Im Sommer brachten Ivo Van Hove und Henry Hey im Rahmen der Ruhrtriennale das dystopische »Rebel Rebel«-Musical in der Jahrhunderthalle zur Aufführung, und am 5. und 6. November ist es der seit seiner Zeit unter Leander Haußmann auch an der Königsallee bekannte Schauspieler Alexander Scheer, der, angelehnt an den Bücherleser Bowie und mit einer ausgezeichneten Band im Rücken, ausgewählte Songs des Popstars im Schauspielhaus neu interpretiert. Im Vorfeld hatte David Wienand für Bochum macht Spaß die Gelegenheit zu einem Gespräch mit Alexander Scheer über seine Bochumer Erinnerungen, Bowie und vieles mehr.

Herr Scheer, gab es neben Ihrer großen Affinität zur Rockmusik und ihren Persönlichkeiten – Sie spielten u. a. bereits den Keith Richards oder Blixa Bargeld von den Einstürzenden Neubauten – einen weiteren triftigen Auslöser dafür, sich mit der Person und der Musik des leider viel zu früh verstorbenen Sängers David Bowie zu beschäftigen?
Niemand im Universum des Pop hat die Grenzen zwischen Leben und Kunst selbstverständlicher verwischt als Bowie. Das wäre schon mal ein Grund. Außerdem erfand er sich nicht nur mehrfach neu, er hat sich auch immer wieder unterschiedlichsten kulturellen Einflüssen geöffnet. Zum Beispiel Brecht. Ins Berliner Ensemble, an dem wir die Show entwickelt haben, ging er mehrfach als Theaterbesucher. Und außerdem sind wir beide fast zeitgleich vor 50 Jahren in Berlin aufgeschlagen und dieses Jubiläum feiern wir jetzt im ganzen Land (lacht).

In Ihrem Programm »Heroes« geht es ja nicht nur um die Musik, sondern auch um den Künstler und Menschen, aber auch den an der Literatur interessierten David Bowie.
Er war nicht nur ein musikalisches Chamäleon, sondern auch ein obsessiver Leser. Das Besondere an unserem Abend ist, dass wir seine Musik mit seiner berühmten Liste der 100 für ihn wichtigsten Bücher verweben – von »A Clockwork Orange« bis Christa Wolf. Es geht also auch um schreibende Helden. Wir begeben uns auf eine literarisch-musikalische Spurensuche, bei der sich überraschende Querverbindungen auftun. So finden wir unter anderem auch heraus, woher die Delfine aus „Heroes“ stammen …

Warum glauben Sie, ist das Interesse an dem Menschen und Künstler auch heute noch bei vielen Menschen so groß?
Bowie war seiner Zeit immer meilenweit voraus. Und obwohl er sich auch als rätselhafte Projektionsfläche inszenierte, hat sein Mut, immer wieder konventionelle Pfade zu verlassen und Neues zu wagen, viele Menschen inspiriert. Veränderung als einzige Konstante im Leben. Interessanterweise ist er am Ende seiner Karriere ganz ohne Masken ausgekommen, da war er ganz bei sich. Und gleichzeitig flog er zurück zu seinem Heimatplaneten und schloss den Kreis. Er schrieb sich sein eigenes Requiem, das gab’s seit Mozart nicht mehr. Er transzendierte. Weiter kann man in der Kunst nicht gehen …

Wie leicht oder schwer ist es Ihnen gefallen, die Songs für das »Heroes«-Programm auszuwählen?
Bei Bowies umfangreichem musikalischem Werk grenzt eine Auswahl natürlich an Luxusüberforderung. Uns ging es dabei aber nicht darum, nur die „Greatest Hits“ auszusuchen, sondern auch einen roten Faden durch seinen literarischen Kosmos zu finden. Herausgekommen ist eine mitreißende, witzige und emotionale Show mit sehr persönlichen Momenten und einigen Überraschungen.

Gibt es unter den ausgewählten Stücken solche, die es Ihnen schwer gemacht haben, sie zu interpretieren?
Es gibt bei Bowie keine „leichten“ Nummern, er ist ein sehr außergewöhnlicher Sänger. Da kann ich sowieso einpacken. Das Publikum kommt wegen Bowie, aber es geht wegen mir … (lacht sehr laut). Aber ich punkte durch Charisma und Energie auf der Bühne. Zudem ist meine Band wirklich ’ne Wucht. Wir haben bisher noch jeden Saal zum Kochen gebracht. Jetzt, wo Sie’s sagen: Die »Ziggy Stardust«-Nummern im kurzen Höschen haben wir weggelassen. Bei allem Optimismus, dafür bin ich mittlerweile dann doch zu alt …

Sie waren vor über 25 Jahren am Schauspielhaus hier in Bochum engagiert. Welche Erinnerungen haben Sie an die Stadt?
Ich kann mich nicht mehr an alles erinnern, das war im letzten Jahrtausend, aber außerdem war das Schauspielhaus Bochum unter Haußmann die verdammt wildeste Theaterbude von hier bis Mexiko! Hier war was los! Wenn man Vorstellung im großen Haus hatte, war es ganz normal, in einer Pause rüber in die Kammer zu rennen und da für eine Szene mitzumischen. Einfach so aus Spaß. Und die Kantine von Elken, mein Gott. Das war mein erstes Engagement und mir war das damals gar nicht klar, weil ich dachte, Theater ist immer so. Aber so schön wie damals war’s nie wieder …

Mit »Heroes« sind Sie ja bereits seit einer Weile auf deutschen Bühnen unterwegs. Haben Sie bereits einen nächsten Musiker im Blick, dem Sie sich im Anschluss gerne widmen würden?
So läuft das bei mir nicht. Im Blick habe ich immer nur den Moment. Und der heißt gerade: Touren mit Bowie. Ach ja, und parallel bin ich auch wieder mit Andreas Dresen und Musik aus unserem Film »Gundermann« unterwegs. Im Februar kommen wir damit auch noch mal nach Bochum. Aber sonst? Alle Figuren, mit denen ich in den letzten 30 Jahren zu tun hatte, sind irgendwie zu mir gekommen. Da muss man behutsam die Antenne ausfahren, sonst verscheucht man sie durch zu viel Ambition (lacht). Jetzt freuen wir uns erst mal auf zwei großartige Abende hier im Schauspielhaus …