AUREL DAWIDIUK | DER BEGINN EINER NEUEN REISE
Foto: Irene Zandel
Foto: Irene Zandel

Interview: David Wienand

Foto: Irene Zandel

AUREL DAWIDIUK | DER BEGINN EINER NEUEN REISE

Mit jungen 25 Lebensjahren auf dem Buckel tritt der in Hannover geborene Dirigent und Musiker Aurel Dawidiuk ans Dirigentenpult des Anneliese Brost Musikforums und traut sich die Position des Generalmusikdirektors der Bochumer Symphoniker, kurz BoSys, zu. Aber natürlich hat „der Neue“ bereits eine beachtliche Vita vorzuweisen: Das Royal Concertgebouw Orchestra in Amsterdam, die Bamberger Symphoniker, das Royal Liverpool Philharmonic Orchestra oder das Tokyo Metropolitan Symphony Orchestra hat er bereits dirigiert. In der Berliner Philharmonie, dem Wiener Konzerthaus und der Tonhalle Zürich konnte man ihn als Musiker an seinen Instrumenten, dem Klavier und der Orgel, erleben. Nun also Bochum. Was liegt da zum Amtsantritt für Bochum macht Spaß näher, als Aurel Dawidiuk im Gespräch den Leserinnen und Lesern vorzustellen.

Herr Dawidiuk, was haben Sie von Ihrer neuen Wirkungsstätte und der Stadt Bochum bei den Gelegenheiten, da Sie bereits vor Ort waren, kennengelernt
Ich bin erst kürzlich nach Bochum gezogen und habe bisher in erster Linie natürlich das Musikforum und seine Umgebung kennengelernt. Ich habe aber einen sehr guten Reiseführer auf dem Nachttisch liegen, mit dem ich in den nächsten Wochen die Stadt erkunden werde.

Welches war das ausschlaggebende Argument, das Sie als Generalmusikdirektor nach Bochum zu den Bochumer Symphonikern gelockt hat?
Da gibt es viele Gründe: Zunächst natürlich das Orchester! Bei unserer ersten Zusammenarbeit im März 2025 hatte ich sofort das Gefühl, dass sich da etwas entwickeln könnte; es war eine sehr konzentrierte und vertrauensvolle Probenwoche. Dann ist natürlich auch das Musikforum ein wichtiger Grund – nicht nur wegen der wirklich eindrucksvollen Architektur und der Tatsache, dass es durch das große Engagement von Bochumer Bürgern realisiert werden konnte – das ist einzigartig. Dazu kommt, dass das Orchester am selben Ort probt, an dem auch die Konzerte stattfinden, und das ist für die Arbeit ein absoluter Pluspunkt!

Mit Steven Sloane, der die Bochumer Symphoniker in Ihrer neuen Wirkungsstätte, dem Musikforum, beheimatet hat, und Tung-Chieh Chuang haben Sie zwei namhafte Vorgänger. Haben Sie sich im Vorfeld vergewissert, in welche Fußstapfen Sie treten werden?
Ich habe mich natürlich über das Orchester und seine Geschichte informiert. Wichtig für mich ist aber vor allem, dass das Orchester und ich nun eine gemeinsame neue Reise beginnen und zusammenwachsen. Ich habe auch gehört, dass das Bochumer Publikum sehr offen und begeisterungsfähig ist, und hoffe, dass es uns weiter unterstützt und eben auch offen ist für neue Impulse und eine neue Handschrift.

Bestimmt werden Sie aber auch schnell eigene Akzente setzen wollen. Welche Ideen, die sie verfolgen wollen, möchten sie an dieser Stelle bereits verraten?
Das Programm für die aktuelle Saison haben wir schon veröffentlicht. Im Zentrum meiner Amtszeit wird ein Beethovenzyklus stehen. Wir spielen alle neun Symphonien in den nächsten drei Jahren, kombiniert mit anderen Komponisten und auch zeitgenössischen Werken. Ich lege außerdem auch großen Wert auf die Förderung des musikalischen Nachwuchses, deshalb habe ich eine Dirigier-Akademie ins Leben gerufen, bei der begabte Dirigent:innen mit dem Orchester eine ganze Woche arbeiten können. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie wertvoll solche Möglichkeiten sind.

Welches Werk der klassischen Musik kann Sie gestern wie heute in Begeisterung versetzen?
Für mich persönlich ist die Musik von Anton Bruckner ganz wichtig, auch wenn er manch einem vielleicht auf den ersten Blick „zu schwer“ für unsere Zeit erscheint. Ich finde, das genaue Gegenteil ist richtig: Wir brauchen gerade heute in Zeiten, in denen man sich durchs Leben scrollt, diese Musik, die uns zu Ruhe und Konzentration herausfordert.

Haben Sie vor, dieses Werk auch in Bochum mit den Symphonikern zur Aufführung zu bringen?
Ja, ich plane, pro Saison jeweils ein Werk von Bruckner aufzuführen; das erste Mal schon bei meinen Konzerten am 10. und 11. Oktober.

Immer noch sind es nur bestimmte gesellschaftliche Kreise, die den Weg ins Musikforum und zur klassischen Musik finden, auch wenn sich bereits einiges in dieser Hinsicht zum Positiven verändert hat. Welche Möglichkeiten sehen Sie, auch ein bisher unerreicht gebliebenes Publikum zu den Bochumer Symphonikern zu locken?
Ich war einige Male als Zuhörer im Musikforum und finde, dass das Bochumer Publikum schon jetzt erfreulich gemischt ist. Aber Sie haben recht, es gibt dieses Vorurteil, dass Klassik nur etwas für eine bestimmte Zielgruppe sei. Wir versuchen, das Haus und unsere Konzerte mit unterschiedlichen Programmen zu öffnen: Wir spielen Filmmusik oder Crossover, kooperieren mit Poetry Slammern und haben natürlich ein umfassendes Angebot für Kinder, Jugendliche und Familien, das vom Krabbelkonzert für Säuglinge bis zu Probenbesuchen für Erwachsene reicht. Uns ist jeder willkommen!

Wenn Sie sich einmal nicht mit klassischer Musik beschäftigen, welche Dinge tun Sie dann, oder wo kann man Ihnen über den Weg laufen?
Einen Lieblingsplatz in Bochum habe ich noch nicht, der wird sich in der nächsten Zeit noch finden. Aber grundsätzlich gehe ich zur Entspannung gerne in die Natur. Und ins Stadion möchte ich auf jeden Fall, denn Fußball hat mich schon immer begeistert.