bochum macht spaß
GLEIS 9 | TRADITION VERPFLICHTET
GLEIS 9 | TRADITION VERPFLICHTET
Vor mehr als 30 Jahren wurde das „Riff“ am Konrad- Adenauer-Platz eröffnet: als „Kleinkunstbühne mit Galerie und Getränkeausschank“. Daraus entwickelte sich eine der angesagtesten Diskotheken in Bochum und Umgebung, vorwiegend mit einem jungen Publikum, das die Nächte im Bermudadreieck hier freitags und samstags ausklingen ließ. Seit 2024 ist das „Riff“ Vergangenheit. Als „Gleis 9“ wurde der Restart gewagt. Die Resonanz war durchwachsen. Zum Jahresbeginn 2026 erfolgte eine erneute Kurskorrektur. Events aller Art in der großen Halle, Clubbing nebenan im „Club 200x“: So soll das Veranstaltungsgeschäft Am Kulturgleis nachhaltig Fahrt aufnehmen.
„Es brauchte einen klaren Schnitt“, sagt Mounzer El-Chakif. Der 40-Jährige wirkte als Gesellschafter des „Gleis 9“ in den vergangenen zwei Jahren im Hintergrund, konzentrierte sich auf seine Marketingagentur KK03 mit Standorten in Bochum und Hamburg sowie den Betrieb seiner Weinbar „Le Kork“, die gleichfalls Am Kulturgleis zu einem der spannendsten Gastro- Erfolgsformate der vergangenen Jahre in Bochum avancierte. Mit zunehmender Sorge habe er – auch mit bangem Blick auf das anhaltende Clubsterben in der Region – die Entwicklung im „Gleis 9“ beobachtet, schildert Mounzer El-Chakif im Gespräch mit „Bochum macht Spaß“. So notwendig eine Neuausrichtung nach dem schleichenden Niedergang des „Riff“ gewesen sei: „Bochums neue Mehr-als-Event-Location“, so prangt es auf den Werbebannern, habe zuletzt mehr Verwirrung als Begeisterung entfacht. Techno, Lesungen, Live- Konzerte, Poetry Slam, Messen und manches mehr: „Die Leute wussten irgendwann nicht mehr, was sie bei uns erwartet, wofür wir stehen“, sagt El-Chakif.
Als nunmehr alleiniger Geschäftsführer (Jonas Schomberg und Zohair Nait sind ausgeschieden) will der „Gleis 9“-Chef für mehr Klarheit und Übersichtlichkeit sorgen: Die kleine Halle (110 Quadratmeter) geht als „Club 200x“ neu an den Start. Der Name spielt auf das Fassungsvermögen an. 200 Besucher finden Platz. Darüber hinaus geht nichts mehr. Nach einem Umbau, mit einem neuen Licht- und Sound-system, steigen mehrmals im Monat Techno-, HipHop- und House-Partys.
Das derzeit schwer angesagte Clubformat stammt aus England und heißt Boilerroom. Dabei legen die DJs inmitten des Publikums auf. Die Bochumer Location wirbt für sich als „Germany’s first Boilerroom Arena Club“. Nächtliches Motto: „200 only – you are one of them.“ „Der Auftakt war grandios“, freut sich Mounzer El-Chakif. Acht Euro Eintritt werden aufgerufen. Die aktuellen Termine gibt es auf club-200.de. Die große Halle (260 Quadratmeter plus Außenbereich) firmiert weiterhin unter „Gleis 9“. Hier wird das bestehende Konzept weiter ausgebaut: Mit einem bunten Mix aus verschiedensten Veranstaltungen soll ein kultureller Hotspot geschaffen und ein generationsübergreifendes Publikum erreicht werden. Die „gemischte Tüte“ offerierte zum Auftakt unter anderem eine Malle-, Studenten- und Schlager-Party, die Dancehall-Nacht „Ba! Ba! Bad Bochum“, den Fetisch-Treff „Glory Bizarre“, einen Best-of-ABBA-Tanzabend, die New York Gospel Stars, Live-Rock mit den Bochumer Urgesteinen Hartmann und – zum zweijährigen Bestehen Ende Februar – das ausverkaufte Gastspiel des Star-DJs David Puentez. Auch der Blick auf die nächsten Wochen verheißt jede Menge Abwechslung. Am 27. März präsentiert Ben Redelings seinen Fußballtalk „Scudetto“: ein langjähriges Erfolgsformat, das laut Mounzer El-Chakif mitsamt der anschließenden „Scudetto-Disco“ künftig viermal jährlich das „Gleis 9“ füllen soll (die Fortsetzung am 28. Mai ist bereits ausverkauft).
Am 29. März hat sich der Mentalist und „Hellseher des Jahres 2029“ Falco Spitz angesagt. Comedian Oliver Polak ist am 9. April zu Gast. Weitere musikalische Highlights im Frühjahr sind die Auftritte der „Spliff“-Tributeband „The Stiff“ am 17. April, der 70er-Krautrock-Band „Jane“ mit „Fargo“ als Special Guest am 8. Mai und des Singer-Songwriters Jay Nash am 27. Mai.
Zwei Reihen sollen einen dauerhaften Platz im „Gleis 9“ erhalten. Bei der „Pottpoesie“ stehen regelmäßig Sprachakrobaten der Poetry-Slam-Szene auf der Bühne. Auch der „Comedyflash“ für Profi-Comedians und Nachwuchskünstler soll zur festen Einrichtung werden (nächster Termin am 28. März). Wie breit das „Gleis 9“ aufgestellt ist, zeigt sich auch an zwei bekannten Namen. Im April 2027 erzählt der ehemalige Tagesschau-Sprecher Jan Hofer Anekdoten aus seinem Journalistenleben. Titel: „Guten Abend, meine Damen und Herren!“ Zuvor, verrät Mounzer El-Chakif, wird in diesem Sommer ein sehr spezieller Ex-VfL-Bochum-Kicker seinen geballten Fußballsachverstand unter Beweis stellen: Der zum Reality-Star avancierte Torsten Legat soll durch das Public- Viewing während der Fußball-WM führen.
Gut möglich, dass dann auch die frühere 80 Quadratmeter große Cocktailbar im „Gleis 9“ wieder belebt ist. Mounzer El- Chakif will hier ein Pop-up-Angebot einrichten: „Gastronomen können ihre neuen Konzepte bei uns testen.“ Der Vorteil: „Alles – auch die Betriebsgenehmigung – ist vorhanden und kann genutzt werden.“
Wie man eine innovative Geschäftsidee erfolgreich am Markt platziert, hat Mounzer El-Chakif gleich nebenan gezeigt. 2021 hat er mit Stéfanie Goth und Ludmilla Fichtner die Weinbar „Le Kork“ im ehemaligen Rotunde-Restaurant eröffnet. Das Konzept gilt in Bochum und Umgebung bis heute als einzigartig. 84 Weine können per Guthabenkarte an sogenannten Dispensern selbst gezapft werden. Motto: „Hier bist du dein eigener Sommelier und gehst auf deine eigene Wein-Entdeckungsreise.“
Die Verzehrkarte soll demnächst durch eine eigene App ergänzt werden. Eine kleine, aber feine Speisekarte mit Tapas und Pinsa sowie Drinks ergänzt das Angebot. Inzwischen hat das „Le Kork“ auch eine eigene Weinlinie. „Elektro“ heißt der Riesling, „Ora d‘oro“ der Rosé. Dabei kooperieren die Bochumer mit einem jungen Winzer in der Pfalz.
2000 Gäste – darunter außergewöhnliche viele junge Frauen – strömen monatlich ins „Le Kork“. Auch der Online-Shop floriert. Anlass für Mounzer El-Chakif, über eine Expansion nachzudenken. In der zweiten Jahreshälfte 2026 will er eine zweite Weinbar eröffnen: „voraussichtlich in Köln.“ Zuvor dreht sich auch im „Gleis 9“ alles um die Rebe: Am 29. und 30. Mai (Freitag/Samstag) geht das Festival „Wein am Kulturgleis“ mit einem Winzerdorf, Wein-Bingo und einer Aftershow-Party in die zweite Runde. Das Tagesticket kostet 19,90 Euro.
Vorverkaufskarten und Infos zu allen bevorstehenden Events gibt es auf gleis-neun.de.