KUNSTMUSEUM BOCHUM | DAS MUSEUM WÄCHST IN DEN PARK
Foto: Heinrich Holtgreve
Foto: Daniel Sadrowski

Interview: David Wienand

Fotos: Heinrich Holtgreve (Museum), Daniel Sadrowski (Noor Mertens)

KUNSTMUSEUM BOCHUM | DAS MUSEUM WÄCHST IN DEN PARK

Das neue Jahr ist noch jung, und doch hat die Kunstszene in Bochum bereits einen triftigen Grund zum Feiern: Das Kunstmuseum zwischen dem frisch restaurierten Bergbau Förderturm und dem im Frühjahrsputz befindlichen Stadtpark ist vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe zum Denkmal des Monats Januar 2026 erkoren worden. Gerade rechtzeitig zum im Juni anstehenden Dienstjubiläum der Direktorin Noor Mertens, die dann fünf Jahre an der Kortumstraße 147 in Amt und Würden sein wird. Aus diesen und weiteren Gründen bat David Wienand sie für Bochum macht Spaß zum Gespräch.

Frau Mertens, nachträglich herzlichen Glückwunsch zur Wahl „ihres“ Kunstmuseums zum Denkmal des Monats Januar 2026.
Ja, die Wahl des LWL hat uns auch sehr gefreut. Die Auszeichnung als Denkmal des Monats ist auch mit Blick auf das diesjährige Stadtparkjubiläum sowie die IGA 2027 eine bedeutende Wertschätzung für unser Haus, das auch nach mehr als 40 Jahren für uns als Team und für viele Museumsbesuchende ein Gebäude ist, das inspiriert, Menschen zusammenbringt und das Museum als öffentliche Institution kennzeichnet.

Können Sie unseren Leserinnen und Lesern kurz sagen, was es mit der Denkmalswahl auf sich hat?
Mit seiner offenen, transparenten und demokratisch gedachten Architektur war der Neubau ein Meilenstein im kulturellen Selbstverständnis der Stadt Bochum – als Symbol des Aufbruchs nach der Bergbaukrise und der Hinwendung zu Bildung und Kultur. Daher haben die Untere Denkmalbehörde der Stadt Bochum und das LWL-Fachamt für Denkmalpflege in Westfalen den Museumsbau aus den frühen 1980er-Jahren als bedeutendes architektonisches und kulturelles Zeugnis der Nachkriegsmoderne gewürdigt.

Sie sind nun seit gut fünf Jahren die Direktorin des Museums und feiern also ein kleines Jubiläum. Welches Resümee ziehen Sie rückblickend persönlich nach dieser Zeit in Bochum.
Mein Fazit ist sehr positiv: Das Bochumer Publikum geht mit mit bei den Veränderungen in Bezug auf Programm und Ausstellungsgestaltung, Kommunikation, visuelle Identität und Gebäudenutzung, die wir in diesen fünf Jahren umgesetzt haben. Diese Offenheit ist wichtig, damit das Team die eingeleiteten Entwicklungen selbstbewusst fortsetzen und reflektieren kann. Der Ansatz des ersten Direktors und seiner beiden Nachfolger war ein gesamteuropäischer, der dafür sorgte, dass wir heute eine außergewöhnliche Sammlung von Werken aus Mittel- und Osteuropa besitzen. Je tiefer ich darin eintauche, desto begeisterter bin ich.

Auch ohne die Wahl ist das Kunstmuseum nach wie vor ein Publikumsmagnet. Auf welche besonderen Ausstellungen und weitere Veranstaltungen dürfen sich die Besucher in diesem Jahr freuen?
Wir konnten glücklicherweise die Besucher*innenzahlen nach der Coronazeit auf 30.000 anheben. Seit 2025 führen wir Befragungen durch, um mehr über Publikumswünsche zu erfahren, um das Museum noch attraktiver zu machen und das Publikum “mitzunehmen”. Am 6. März eröffnen wir die Ausstellung von Yuko Mohri & Ei Arakawa-Nash »How We Meet«. Die beiden Künstler*innen arbeiten für diese Ausstellung zum ersten Mal zusammen. Yuko Mohri und Ei Arakawa-Nash sind u. a. von der Kunst-bewegung Fluxus beeinflusst, die mit einfachen Mitteln die Kunstproduktion neu definierte und als Schauplätze für ihre Ausstellungen, Konzerte und Performances nicht das Museum, sondern das Zuhause und den öffentlichen Raum wählte. Am 24. April eröffnen wir die Ausstellung »Das öffentliche Grün« anlässlich des 150. Jubiläums des Stadtparks, der direkt an das Museum grenzt. Die Gruppenausstellung wächst aus dem Museum hinaus in den Park, betrachtet ihn als vielschichtiges Biotop voller Geschichten und fragt, wie es heute um das Teilen von Raum und Ressourcen steht. Auch bei dieser Ausstellung können unsere Besucher*innen selbst aktiv werden. Was auch sehr spannend sein wird, ist die Raumgestaltung. Es wird große Wandgemälde geben, die sich auf die Parkflora beziehen und Natur zum Anfassen. Wir freuen uns schon sehr auf die Eröffnung, die wir zusammen mit dem Figurentheater FIDENA mit einer Parade feiern, sowie auf die Spaziergänge als Führungen zu verschiedenen Orten und Themen im Park. Das Tolle ist, dass wir die Ausstellung und den Park vom Frühling über den Sommer bis zum Ende der Ausstellung am 1. November in fast allen Jahreszeiten erleben können. Am 23. Oktober 2026 eröffnen wir die Ausstellung »Under The Pink Flag«. Die umfassende Einzelausstellung zeigt Werke der Künstlerin Maria Pininska-Beres (1931-1999). Neben den Ausstellungseröffnungen wird es anlässlich der in diesem Jahr im Ruhrgebiet stattfindenden Kunstbiennale MANIFESTA 16 Veranstaltungen und Workshops in Kooperation mit der MANIFESTA 16 geben. Und wir freuen uns jetzt schon auf unser Sommerfest, das wir am 11. Juli von 15:00 bis 22:00 Uhr feiern. Dazu sind alle herzlich eingeladen, der Eintritt ist frei. Es gibt wie immer viele Mitmachaktionen für Kinder und Familien, Führungen durch die Ausstellungen, Getränke und Essen sowie Musik auf unserer schönen Dachterrasse mit Blick auf den Stadtpark.

Wenn man auf die Homepage des Kunstmuseums schaut, fallen besonders Veranstaltungen wie »Elternzeit mit Kunst« oder »Kunst mit Kuchen« auf. Was hat es damit auf sich?
Wir möchten damit Menschen, die sonst vielleicht nicht ins Kunstmuseum gehen würden oder nicht allein gehen möchten, ein attraktives Angebot machen. Für Eltern mit kleinen Kindern ist es nicht einfach, kulturelle Angebote wahrzunehmen, bei denen sie ihre Babys mitnehmen können. Bei der »Elternzeit mit Kunst« ist es völlig in Ordnung, wenn die Babys und Kleinkinder während der Führung gestillt, gewickelt oder gefüttert werden.

Wenn Sie grenzenlose Auswahl hätten, welche namhafte Künstlerin oder welchen namhaften Künstler würden Sie gerne im Kunstmuseum ausstellen?
Die letzte Ausstellung, die Kasper König im Museum Ludwig entwickelte, trug den Titel »Ein Wunsch bleibt immer übrig«. Ich glaube, ähnlich verhält es sich mit den Künstler*innen, die mich gedanklich begleiten. Es gibt sehr viele Künstler*innen, mit denen ich gerne eine Ausstellung organisieren würde, auch unbekannte. Wenn es um berühmtere (und leider verstorbene) Künstler*innen geht, über die ich gerne eine Ausstellung machen würde, fallen mir spontan Jo Baer, KwieKulik, Edward Krasinski, Tetsumi Kudo oder Alberto Greco ein. Ich bewundere die Arbeit lebender Künstlerinnen wie Sharon Hayes, Dominique Gonzalez Foerster und Andrea Büttner und hoffe, in den kommenden Jahren Gelegenheiten zu finden, ihre Werke in Ausstellungen zu integrieren.

Und welche Musikerin oder welchen Musiker würden Sie im großen Saal dann gerne live erleben?
XXXXX Ich würde mich sehr freuen, wenn die fantastische Dirigentin Mirga Gražinyte-Tyla bei uns ein eigensinniges Programm aufführt. Unser Veranstaltungsraum ist zwar nicht ideal für ein komplettes Sinfonieorchester, aber sie würde sicher einen kreativen Weg finden. Mirga Gražinyte-Tyla ist als Person und als Dirigentin inspirierend, und durch ihr Dirigieren habe ich Musik, die ich schon lange kannte, auf neue Weise erlebt. Übrigens hätte ich auch nichts dagegen, wenn Nick Cave and The Bad Seeds im Museum auftreten würden.

Wenn Sie einmal einen Tag ohne die Kunst verbringen, bei welcher Aktivität können Sie davon abschalten und den Kopf für neue Ideen freibekommen?
Ich habe ein großes Faible für Kochen und Essen, inklusive ausgiebigem Einkaufen im Vorfeld. Das Ruhrgebiet ist dafür auf den ersten Blick vielleicht nicht unbedingt der beste Ort, aber wenn man sich ein wenig auskennt, gibt es viele tolle Läden und einen schönen Wochenmarkt in Bochum. Ein weiterer toller Zeitvertreib an solchen Tagen ist das ausgiebige Stöbern in Secondhandläden. Sammeln oder nicht sammeln, das ist die Frage.